Oh Mann, was war das für ein beklopptes Wochenende! Samstagmorgen um 7 Uhr musste ich bereits das Haus verlassen und bei ziemlich miesem Wetter zur Luas. Ich weiß nicht, ich komme gar nicht mehr dazu, zu schlafen. Ich bin zwar schon kurz vor 12 ins Bett, aber trotzdem... Und diese Woche kommen meine Eltern, also kann ich erst am 6.12. wieder ausschlafen. o.O
Aber zurück zum Thema. Habe Daniela also gegen 7.30 Uhr mit etwas Verspätung durch die Bahn bedingt, am Spire getroffen. Wir sind auch gleich zu Busaras gelaufen, das zum Glück nur 5 Minuten entfernt ist. Das Wetter war echt mies, es regnete und der Wind war so stark, dass selbst der Schrim nicht weiterhalf.
Busaras ist ziemlich cool und ich finde es irgendwie schade, dass es sowas in Deutschland nicht gibt. Es sieht aus wie ein großer Bahnhof, nur ist es ein reiner Busbahnhof. Von dort aus fahren Busse ins ganze Land und man kommt meistens günstiger - und sogar schneller - als mit der Bahn weg. Für die Strecke Dublin-Belfast und zurück haben wir mit Studentenausweis gerade mal 20,50€ gezahlt.
Der Bus war aucht recht leer um 8 Uhr morgens, sodass jeder von uns 2 Sitzplätze hatte. Es regnete und regnete und man konnte nicht besonders viel aus dem Fenster sehen, aber die Fahrt ist auch nicht besonders spannend. Da es der Expressway ist, fährt der Bus die ganze Zeit nur über die M1 oder ähnliche Straßen, sodass man in 2 oder 3 Stunden schon da ist.
Etwas nervig war, dass in Drogheda Leute zustiegen und sich - obwohl noch einige Plätze im Bus frei waren - eine dicke Muddi genau neben mich setzte und der Bus eh schon extrem eng war... :(
Zum Glück stiegen kurz vor der Grenze noch ein paar Leute aus, sodass ich wenigstens für ein Stück der Strecke wieder Platz hatte.
In Belfast angekommen, kam ich erstmal ins Staunen: die Stadt war total anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Hier hat man Hochhaus neben Hochhaus und dazu sind das noch schicke Hochhäuser. Komplett anders als Dublin. Meine Chefin meinte schon, dass Belfast absolut nicht ins irische Weltbild passen würde und jetzt kann ich das auch verstehen.
Das Wetter wurde sogar noch schlimmer und es schüttete wie aus Eimern. Da wir beide keinen genauen Plan von Belfast hatten und ich nur im Ansatz die mikrige Google-Maps vom Weg in meinem Kopf hatte, sind wir extrem nass geworden und haben eine Stunde lang das Hostel gesucht, das man nicht besser hätte verstecken können. Für die Strecke hätte man normalerweise höchstens 15 Minuten gebraucht.
Wir durften dann zu unserem Verdruss noch nicht mal rein, weil Check-in erst 14 Uhr war. Irgendwie war das auch wieder eines dieser heruntergekommenen Hostels, die ich magisch anziehe. Die Leute da waren auch etwas seltsam... Zum Glück durften wir unser durchgeweichtes Gepäck da lassen. Also ging es nass wieder in die Stadt, die zum Glück dieses Mal nicht so weit entfernt erschien. Lustig war es aber trotzdem, weil uns der Schirm um die Ohren flog (ich hatte meinen kurz verloren, er wurde quer über die Straße geweht und hat ein Auto gerammt) und wir das ein oder andere mal selbst beinahe weggefegt wurden.
Belfast ist typisch britisch, wenn man weiß, was ich damit meine. Wer schon einmal in London war, kann Belfast damit auf jeden Fall identifizieren. Ich würde die Stadt fast schon als Miniaturausgabe von London bezeichnen, denn hier liegt alles wichtige gleich beieinander und behält ebenfalls den viktorianischen Baustil bei (nach dem auch sehr viele Straßen benannt wurden - Victoria Street, Great Victoria Street, Victoria Place, ...), während man in Dublin so etwas in der Art absolut vergebens sucht. Für mich eigentlich der absolute Traum. :3
Die City Hall liegt im Herzen der Stadt und genau das strahlt sie auch aus. Wir hatten Glück, dass der continental market (bei uns auch unter Weihnachtsmarkt bekannt) erst am Dienstag aufgemacht hatte, sodass die ganze Stadt und besonders die Gegend rund um die City Hall überall schön geschmückt war. Leider war das Wetter noch immer nicht besser und so versteckten wir uns erst einmal unter einem der Grillzelte und bestellten eine Nürnberger Bratwurst. Hm..... wie ich DAS vermisse!!! Richtige leckere deutsche Bratwurst von echten Deutschen serviert. Danach habe ich mir auch noch einen Glühwein genehmigt und war unglaublicher Weise nicht gleich betrunken. Der halbe Markt bestand aus deutschen Ständen und irgendwie mag ich es, dass die Leute hier alle so verrückt nach deutschen Sachen sind, weil ich mir nicht richtig vorstellen kann, wieso Ausländer zum Urlaub machen nach Deutschland kommen.
Neben der City Hall steht das Belfast Wheel, eine kleine Ausgabe vom London Eye. Ich wäre gerne damit gefahren, aber da wir Geld sparen wollten, habe ich darauf verzichtet... Dafür klarte es endlich auf und wir sahen Sonne!!! Unglaublich, nach diesem Wetter wurde es tatsächlich schön. Wir sind zu den Black Cabs gelaufen, da Daniela gerne die Black Cab Tour machen wollte, allerdings wollte der Meister 30 Pfund dafür haben. Wir haben drei oder 4 Taxifahrer bequatscht, bis einer uns die Tour dann für 25 verkaufte. Ja, auch hier gibts die typischen Londoncabs. Und es war überhaupt das erste Mal, dass ich damit gefahren bin. Das Auto ist unheimlich geräumig innendrin, da kann man locker seine Koffer unterbringen. Ich wäre dafür, dass man die in Dublin auch einführt.
Es ging nach Shankill, ein Stadtteil, der den meisten Leuten wohl dafür bekannt ist, dass es jahrelang nur Unruhen gab. Der Taxifahrer sprach in einem unglaublichen Nordirland-Slang, so dass man nur die Hälfte verstehen konnte, aber was ich aufschnappen konnte, machte mich wirklich traurig. Der erste Halt war eine Wohnsiedlung mit vielerlei Wandgemälden, die an die Opfer erinnern sollten, die in den Unruhen und für den Frieden starben. Leider hat der Cab Driver nicht viel dazu erzählt und so richtig verstehe ich auch nicht, wieso genau die an die Wand gepinselt wurden. Es ging weiter über ein Gefängnis direkt zur Peace Wall, die ironischer Weise "Peace" Wall heißt, obwohl es dort immer noch die meisten Unruhen gibt. Soweit ich verstanden habe, gibt es dort nach 20 Uhr abends Straßensperren zwischen den protestantischen und den katholischen Wohngebieten. Die Mauer war am Anfang etwa 4 Meter hoch, inzwischen sind es schon mindestens 12 Meter, da das ein oder andere Mal Brandbomben über den Zaun geworfen wurden. Das katholische Wohngebiet ist wieder typisch Irisch mit seinen Zweisprachigen Straßenschildern. Es ist traurig, dass die Leute in der Bombey Street ihre Gärten komplett mit Gittern verbarrikadieren müssen, das ist doch kein Leben.
Zurück in der Innenstadt sind wir dann erst einmal zu unserem seltsamen Hostel zurückgelaufen, in dem wir das falsche Zimmer bekommen haben, dann aber immerhin ein 4-Bett-Zimmer für uns allein hatten, obwohl wir 8-Bett-Zimmer gebucht hatten. Naja, Glück muss man haben. Eine heiße Dusche später und dem Versuch, unsere nassen Sachen mit dem Fön zu trocknen, sind wir in die "Küche" und haben was zu essen gemacht. Es war noch nicht mal 20 Uhr, aber trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es schon sehr spät sein musste... Wir sind erneut in die Stadt, die erleuchtet fast noch viel schöner ist als bei Tageslicht. Da noch ein paar schöne Fotos von der City Hall geschossen und dann sind wir weiter in Richtung Hafen gelaufen. Ich hätte eigentlich gerne das Titanic-Werk gesehen, aber leider war einfach zu wenig Zeit dafür. So gab es da nichts spektakuläres zu sehen und wir sind weiter in Richtung Castle Court Shopping Centre. Oh mein Gott, so etwas hab ich in meinem Leben noch nicht gesehen! Das Shopping Centre hat eine Glaskuppel, die das Nachts blau beleuchtet wird. Es gibt eine Aussichtsplattform, die man aber leider nur bis 18 Uhr betreten darf. Aber das sieht suuuuuuper aus! Ich habe mich wie in Star Trek gefühlt. Ich glaube aber, dass das Ganze nur halb so spektakulär ist, wenn die Weihnachtsdeko fehlt.
Wir sind zurück ins Hostel, und obwohl es noch nicht sonderlich spät war, sind wir dann ins Bett. Ich glaube, ich habe mich total in diese Stadt verliebt.
Hier gibts auch ein paar Bilderchen.
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