Sonntagmorgen, nach einer recht unruhigen Nacht, in der ich etwa 4 oder 5 mal wachgeworden bin, gings erstmal zum Frühstück und dann endlich raus aus dem Hostel. Die Leute waren ja teilweise ganz ok, aber echt komisch... Unser Bus fuhr ab dem International Youth Hostel ab, das fast um die Ecke lag. Das war innen drin auch echt super schön und sauber und irgendwie haben wir bereut, dass wir in dem anderen gebucht hatten, aber was solls.
Wir hatten uns im Vorfeld schon für die Giant's Causeway Tagestour entschieden und ich habe mich die letzten 2 Wochen total darauf gefreut. Bei der Onlinebuchung gab's auch Rabatt und so haben wir das schon ein paar Tage vorher gebucht. Dummerweise wurde aber Danielas Kreditkarte nicht akzeptiert und so standen wir dann im Büro der Veranstalter ohne bezahlte Tour. Ich habe es mit meiner Kreditkarte versucht, wusste aber, dass das wohl nix bringen würde. Wurde auch nicht akzeptiert. Und da hier niemand EC-Karten akzeptiert, hingen wir ein bisschen zwischen den Seilen. Ich war echt angepisst von dieser Situation, nicht, weil wir jetzt nichts gebucht hatten, sondern weil in diesem inkompetenten System keiner eine international gültige Kreditkarte akzeptiert. D: Es regt mich so auf, dass das alle hier nur auf UK-Kreditkarten bzw. auf Laser Cards ausgerichtet ist, was soll denn das?!
Wir haben dann unsere letzten Euros zusammengekratzt, was auch fast dem Pfundpreis entsprach und hatten echt Glück, dass sie uns trotzdem noch mitgenommen haben.
Der Busfahrer war lustig, er sprach auch mit extrem nordirischen Akzent und seine Lieblingsworte waren "blow up". Tatsächlich sehen die Belfaster die Situation in ihrer Stadt auf ganz ironische Art und Weise und erzählen gerne von bruchsicherem Glas und Anschlägen auf Hotels. Was uns seltsamer Weise nicht aufgefallen ist, sind die bunten Bürgersteige und Straßenlaternen, die die britischen und irischen Gebiete der Stadt kennzeichnen (rot-weiß-blau für britisch, grün-weiß-gold für irisch). Es ging vorbei an allerlei militärischen Einrichtungen, der IRA usw und ich habe mich schon ein wenig gewundert, dass wir kein Militär in der Stadt gesehen haben.
Der erste Halt war das Carrickfergus Castle, das aber leider gleich neben Sainsbury's steht, also keine besonders schöne Gegend. Der Wind ging so stark, und das schon in der Bucht von Belfast, dass ich schon Angst hatte, ich könnte an der Atlantikküste nicht mal stehen.
Da wir im Bus auf der Meerseite saßen (das hab ich schon vorher so in Aussicht gehabt), war es auch recht nervig, dass die Leute auf der Bergseite ständig ihre Fotoapparate in die Richtung gestreckt haben. Mich regen die Leute sowieso auf, die die ganze Zeit über Fotos aus dem Bus machen mit ihrer popeligen Digicam für 150€, denn die Fotos werden sowieso nix. Da saß ein Typ, der hat echt alles fotografiert, selbst unspektakuläre Sachen, wie grüne Wiesen. Mit den Bildern kann man später sowieso nix mehr anfangen.
Aufreger Nummer 2 des Tages war, dass man für die Rope Bridge in Carrick-a-rede extra zahlen musste. Das Ding ist nur 10 Meter lang und dafür soll man 4 Pfund hinlegen. Eigentlich wollte ich echt gerne drüber gehen, aber da ich absolut kein Geld mehr übrig hatte, musste ich darauf verzichten. Wir hatten dort oben eine Stunde Aufenthalt und die Aussicht auf den Klippen war atemberaubend schön. Leider fing es dann auch an zu regnen und wir sind so schnell wir konnten wieder zum Bus zurück.
Der nächste Stop führte zur Bushmills whiskey distillery, der ältesten Schnappsbrennerei der Welt. Leider war die Zeit begrenzt, sodass man nicht hineingehen konnte, und deshalb haben wir uns nur das Restaurant und den Geschenkeshop ansehen können, also nix spektakuläres.
Vorletzter Halt war die Ruine von Dunluce Castle, ein Schloss, das direkt auf den Klippen vor dem Atlantik gebaut wurde. Das war nur ein kurzer Fotostop und ich denke, dass es im Sommer vielleicht auch möglich ist, das Schloss zu besichtigen, aber da es im November doch recht schnell dunkel wird und wir die Hauptattraktion noch nicht zu Gesicht bekommen haben, sind wir dann auch gleich zurück in den Bus und dann runter an die Küste.
Giant's Causeway ist eine einzigartige Gesteinsformation, die vor mehr als 30 Mio. Jahren aus Lava entstanden ist. Für mich ist dennoch immer noch nicht ganz nachvollziehbar, wie die 8 Eckigen Felsen so gleichmäßig werden konnten.
Es gibt eine Legende, die besagt dass der irische Riese einst nach Schottland ging, und bemerkte, dass der schottische Riese (die Namen habe ich leider vergessen) viel größer war, als er selbst. Er ging zurück und erzählt seiner Frau davon, die draufhin meinte, ihr Mann solle sich als Baby verkleiden. Das tat er auch und so kam der schottische Riese nach Irland, sah das Baby und meinte: "Wenn das Baby schon so groß ist, wie groß muss dann erst ein ausgewachsener Riese sein?" Voller Furcht ist er wieder zurück nach Schottland. Und irgendwie so entstand der Name dieses Ortes.
Zum Causeway führt ein Bus hinunter, der aber pro Fahrt 1 Pfund kostet (hier sind nur Abzocker unterwegs, wohin man auch schaut!) und wie ich finde, lohnt sich der Fußweg viel mehr. Aber der Ausblick, wow! Da ist der Atlantik und es kommt nichts mehr, gar nichts. Außer Island vielleicht irgendwann. Der Wind war hier unten so stark, wie ich es mir dachte und ich hätte eigentlich meine Arme ausbreiten und wegfliegen können. Aber der Causeway war unglaublich. Auf Bildern sah das ganze schon schön aus, aber in Natura unbezahlbar. Das einzige, was mich stört, ist, dass die ganze Sache einfach zu überlaufen ist. Es sind so viele Leute dort, das hält man im Leben nicht aus. Naja, was will man erwarten, der Ort ist nach den Niagara Fällen und dem Grand Canyon auf Platz 3 der beliebtesten Ausflugsziele 2009 gewählt worden.
Meine Kamera war nie nasser und ich musste dauernd die Linse trocken wischen, wodurch sicherlich auch Schlieren auf den Fotos entstanden sind (wie ich das hasse!!! >.<), aber egal, es zählt ja schließlich, dass man da war. Die Wellen waren riesig und der Schaum flog uns nur so um die Ohren. Manchmal hatte ich richtig Angst, dass eine Monsterwelle kommt und wir sind nass von oben bis unten.
Es gibt eine schöne Laufstrecke rund um die Felsen, doch da es plötzlich arg duster wurde und anfing, in Strömen zu regnen, haben wir uns auf den Rückweg begeben. Ich finde es ziemlich mies von den Leuten, die hier arbeiten, bei solch extremen Wettersituationen immer noch Geld für den Bus zu verlangen, denn da wir das nicht hatten, mussten wir bei dem Regen den Berg wieder hoch laufen. Und der Regen tat auf der Haut auch noch weh, da es erstens extrem kalt und zweitens extrem windig war. Als wir oben ankamen, waren wir nass bis auf die Knochen und was war? Der Regen hörte auf... Wir hatten noch eine Stunde Zeit, die wir leider sinnlos im Bus verbringen mussten, bis es dann im Dunkeln über die Autobahn wieder zurück nach Belfast ging.
Leider verpassten wir den 18 Uhr Bus um nur 5 Minuten, sodass wir auf den 19 Uhr Bus warten mussten, aber der war dank Kamikaze-Fahrweise auch schon 2 Stunden später wieder in Dublin. Nach dem Wochenende war ich echt fertig, eigentlich brauche ich jetzt wirklich frei.
Noch ein paar Bilderchen vom Auflug: klick.
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